China nimmt drei mutmaßliche NSA-Agenten wegen Cyberangriffen auf die Asienspiele ins Visier
Der digitale Konflikt zwischen China und den USA eskalierte diese Woche weiter. Chinesische Behörden beschuldigten drei mutmaßliche US-Agenten, während der Asienspiele in Harbin Cyberangriffe durchgeführt zu haben. Die jüngsten Vorwürfe, die von Polizei und staatlichen Medien stammen, besagen, dass die US-amerikanische National Security Agency (NSA) während des internationalen Sportereignisses eine gezielte Kampagne zur Störung kritischer Systeme und zum Diebstahl sensibler Daten orchestriert habe.
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Peking nennt Namen in der Untersuchung des Cyberangriffs in Harbin
Laut einer Mitteilung der Harbiner Polizei werden drei Personen – Katheryn A. Wilson, Robert J. Snelling und Stephen W. Johnson – von den chinesischen Behörden wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an den Anschlägen verfolgt. Alle drei sollen auf Anweisung der NSA gehandelt haben. Chinesische Behörden haben jedoch weder bekannt gegeben, wie sie an ihre Identität gelangt sind, noch wo sie sich derzeit aufhalten.
Die Cyberangriffe konzentrierten sich Berichten zufolge auf die IT-Systeme, die die Asienspiele verwalten, darunter Registrierungsdatenbanken, Reiselogistik und Wettkampfanmeldesysteme. Auf diesen Plattformen befanden sich zahlreiche persönliche Informationen von Athleten, Funktionären und Hilfspersonal.
Einem Bericht der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge bestand die Absicht darin, den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu stören und sich gleichzeitig unbefugten Zugriff auf vertrauliche persönliche und organisatorische Daten zu verschaffen.
Zu den breiteren Cyber-Zielen gehörten Infrastruktur- und Technologiegiganten
Über die Spiele hinaus werfen die chinesischen Behörden der NSA vor, ihre digitale Offensive auf ein breites Spektrum kritischer Infrastrukturen in der Provinz Heilongjiang, in der Harbin liegt, ausgeweitet zu haben. Zu den Zielsektoren gehören Berichten zufolge Energie, Telekommunikation, Wasserressourcen, Transport und nationale Verteidigungsforschung.
Auch der Technologieriese Huawei wurde als Opfer der mutmaßlichen Angriffe genannt. Laut Xinhua übermittelten die Angreifer „unbekannte verschlüsselte Datenpakete“ an Geräte mit Microsoft Windows. Dies weckte die Befürchtung, dass möglicherweise Schadsoftware oder Zero-Day-Exploits eingesetzt werden könnten, um unbemerkt in Systeme einzudringen.
Chinesische Beamte haben weder technische Forensik noch konkrete Beweise zur Untermauerung dieser Behauptungen öffentlich gemacht, sodass Fragen hinsichtlich der Zuordnung und Überprüfung offen bleiben.
Chinesische Beamte verurteilen Angriffe und fordern die USA zur Rechenschaft
Bei einer routinemäßigen Pressekonferenz bezeichnete Außenministeriumssprecher Lin Jian die mutmaßlichen Cyberangriffe als „extrem bösartig“ und behauptete, sie hätten sowohl die nationale Sicherheit als auch die Privatsphäre chinesischer Bürger ernsthaft gefährdet. Lin forderte die USA auf, „verantwortungsvoll zu handeln“ und das aus Pekings Sicht feindselige Cyberverhalten zu beenden.
„China hat seine Bedenken gegenüber den USA auf verschiedenen Wegen zum Ausdruck gebracht“, sagte Lin. „Wir fordern die USA dringend auf, die Cyberangriffe auf China einzustellen und ungerechtfertigte Verleumdungen und Angriffe zu unterlassen.“
Wie bei früheren Vorfällen gab es auch auf die jüngsten Vorwürfe Chinas keine unmittelbare Reaktion der US-Botschaft in Peking.
Zunehmende Cyber-Spannungen zwischen den führenden Mächten der Welt
Die USA und China beschuldigen sich seit Jahren gegenseitig der Cyberspionage, Hackerangriffe und digitalen Überwachung. Washington wirft Peking regelmäßig vor, aggressive Kampagnen zur Infiltration amerikanischer Behörden und Unternehmen zu unterstützen. Im März kündigte das US-Justizministerium eine Operation gegen zwölf mutmaßliche chinesische Hacker an, darunter auch Strafverfolgungsbeamte, denen böswillige Cyberangriffe gegen US-Institutionen vorgeworfen werden.
In einem entsprechenden Bericht bezeichnete das Büro des Direktors des Nationalen Geheimdienstes China als „die aktivste und hartnäckigste Cyberbedrohung“ für US-Netzwerke, darunter sowohl die staatliche als auch die private Infrastruktur.
Die Motive für den Zeitpunkt der mutmaßlichen NSA-Cyberangriffe bleiben unklar. Einige spekulieren, China habe während der Asienspiele möglicherweise bestimmte Internetbeschränkungen gelockert und so ein kurzes Zeitfenster der Angreifbarkeit geschaffen. Andere sehen die Anschuldigungen als Teil einer breiteren Neuausrichtung der politischen Debatte, wobei Peking die USA nun immer lauter als Cyber-Aggressor darstellt.
Angesichts zunehmender Anschuldigungen und immer komplexerer digitaler Bedrohungen scheinen beide Länder in einem kalten Cyberkrieg gefangen zu sein, in dem die Grenzen zwischen Landesverteidigung, Spionage und Öffentlichkeitsarbeit zunehmend verschwimmen.





